Ein Jahr später bestätigt sich die Kritik: Mehr Schließtage setzen
Familien zusätzlich unter Druck
Berlin, 23.03.2026
Ein Jahr nach den deutlichen Einwänden1 des Bezirkselternausschuss Kita Marzahn-Hellersdorf (BEAK MaHe) gegen die damals geplante Erhöhung der Schließtage bestätigen sich die Befürchtungen: Die seit dem 01.01.2026 geltende Ausweitung auf bis zu 27 mögliche Schließtage setzt Familien zusätzlich unter Druck. Aus verschiedenen Kitas erreichen den BEAK MaHe Hinweise, dass Träger oder Leitungen die neue Regelung zum Anlass nehmen, bestehende Planungen auszuweiten oder zusätzliche Schließtage für das laufende Jahr vorzusehen.
Für viele Familien entstehen dadurch neue Belastungen bei Betreuung, Arbeit und Alltagsplanung. „Gerade bei Schließzeiten sind Eltern auf verlässliche und frühzeitige Planung angewiesen“, betont Wencke Fröhlich, stellvertretende Vorsitzende des BEAK MaHe. „Werden solche Zeiten nachträglich verändert, geraten Urlaubsplanungen ins Wanken, Betreuungsfragen müssen neu organisiert werden und der ohnehin dichte Familienalltag wird zusätzlich belastet.“
Der BEAK MaHe hatte bereits im Februar 2025 deutlich gemacht, dass eine Erhöhung der Schließtage aus seiner Sicht der falsche Weg ist. Schon damals war absehbar, dass zusätzliche Schließtage nicht die strukturellen Probleme der Kindertagesbetreuung lösen würden, sondern den Druck an Familien weitergeben. Besonders betroffen sind Alleinerziehende, Eltern ohne tragfähiges privates Netzwerk und Familien, deren Alltag ohnehin nur mit viel Organisation funktioniert.
„Familien brauchen Verlässlichkeit und planbare Betreuung – keine nachträglichen Änderungen, die ihren Alltag zusätzlich belasten“, erklärt Tom Kalányos, stellvertretender Vorsitzender des BEAK MaHe. „Die Möglichkeit von bis zu 27 Schließtagen darf nicht dazu führen, dass sich diese Höchstzahl nach und nach als übliches Maß etabliert.“
Auch den politischen Verweis auf Ersatzbetreuung sieht der BEAK MaHe weiterhin sehr kritisch. Kinder werden in der Kindertagesbetreuung nicht ohne Grund eingewöhnt; Übergänge werden bewusst vorbereitet, über längere Zeit begleitet und durch Kennenlernen gestaltet. Umso fragwürdiger ist es, wenn bei Schließtagen erwartet wird, dass Kinder kurzfristig in einer fremden Kita, in einer unbekannten Gruppe und bei Personal betreut werden, das ihnen nicht vertraut ist. Gerade für jüngere Kinder und für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf ist das häufig keine zumutbare Lösung und mit dem Gedanken des Kindeswohls nur schwer vereinbar. Was auf dem Papier als Ersatzbetreuung erscheint, ist für viele Familien deshalb keine tragfähige Lösung. Würden darüber hinaus alle Familien die ihnen zugesagte Ersatzbetreuung tatsächlich einfordern, würde sich sehr schnell zeigen, wie belastbar dieses System in der Praxis überhaupt ist.
„Ersatzbetreuung ist nur dann ein tragfähiger Ausgleich, wenn sie sich am Kindeswohl orientiert und im Alltag wirklich funktioniert“, so Nadine Matusch, Vorsitzende des BEAK MaHe. „Sie muss verlässlich, erreichbar, kindgerecht organisiert und für Familien tatsächlich nutzbar sein. Dazu gehört zwingend, dass Kinder von vertrautem pädagogischen Personal aus ihrer eigenen Kita in die Ersatzbetreuung begleitet werden.“
Für den BEAK MaHe bleibt deshalb klar: Familien brauchen eine Betreuung, auf die sie sich verlassen können. Statt zusätzliche Schließtage zur Normalität werden zu lassen, braucht es eine politische Perspektive, die die Belastung für Kinder und Eltern wieder verringert.
Der BEAK MaHe fordert daher:
- dass die 27 möglichen Schließtage nicht pauschal ausgeschöpft oder schleichend zum Regelfall werden,
- dass die Zahl der möglichen Schließtage perspektivisch deutlich reduziert wird – aus Sicht des BEAK MaHe bestenfalls auf unter 20 Tage,
- dass Personalbemessung und Finanzierung in der Kindertagesbetreuung so ausgestaltet werden, dass Schließtage, abgesehen von einzelnen pädagogisch begründeten Team- und Fortbildungstagen, strukturell nicht notwendig sind,
- dass bereits abgestimmte Schließzeiten nicht nachträglich ohne triftige Gründe, transparente Begründung und Beteiligung der Elternvertretungen ausgeweitet werden,
- dass die Senatsverwaltung berlinweit eine verlässliche und tatsächlich zugängliche Ersatzbetreuung für alle Kinder sicherstellt,
- dass der unbestimmte Begriff der „angemessenen Ersatzbetreuung“ endlich verbindlich konkretisiert wird,
- dass eine Betreuung nicht als angemessen gelten kann, wenn Kinder ohne vertraute Bezugspersonen in eine fremde Einrichtung, unbekannte Gruppe und zu ihnen nicht vertrautes Personal wechseln sollen,
- und dass Eltern frühzeitig, verbindlich und transparent darüber informiert werden, wie Ersatzbetreuung im konkreten Fall organisiert wird.
Kinderbetreuung muss sich an den realen Bedürfnissen von Kindern und Familien orientieren. Eine bloß formale Verfügbarkeit von Betreuung reicht nicht aus, wenn sie im Alltag nicht funktioniert.
Bezirkselternausschuss Marzahn-Hellersdorf
- Frühere Pressemitteilungen und Stellungnahmen des BEAK Marzahn-Hellersdorf zu diesem Thema finden sich auf der Webseite unter: https://www.beak-mh.de/blog/aktuelles/ ↩︎
